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Luc_ Oelsner_kl1Bild links: Luc Rey im Gesprch mit Wolfgang Oelsner

Zur Person:
Wolfgang Oelsner (* 22. November 1949 in Opladen) ist ein deutscher Pdagoge, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Autor.

Nebenberuflich erforscht Oelsner auch die Psychologie des Karnevals und gilt als Karnevalsphilosoph“. Kenntnisse von und Interesse an regionalen Bruchen lieen ihn zum Mitgestalter und Erforscher des rheinischen Karnevals werden. Er ist Trger des Kulturpreises der deutschen Fastnacht“ (2008) des Bund Deutscher Karneval und der Willy-Millowitsch-Medaille“ (2010) des Festkomitee Klner Karneval. (Quelle: Wikipedia)

 

Golden Ei“

Eine Spintisiererei zum Sessionsmotto

Darf ich Sie herausfordern mit dem Original einer unmglichen Bttenrede?

Bei meiner gestrigen Exkursion visualisierte sich unerwartet auf einer Parkbank die optimale Realisation einer mir adquaten Partnerin, so dass eine Affekthandlung geboten war und ich mich auf der gleichen Parkbank platzierte, und-  obwohl Reaktionsmangel seitens der Zielgruppenperson Kontaktscheu signalisierte - gelang im Verlauf des von mir progressiv eingeleiteten Sozialisierungsprozesses eine verbale Kommunikation, wobei ich mich bemhte, die soziomorphe Irrelevanz sexueller Probleme evident zu machen, stie jedoch dabei leider auf verkrustete, hierarchische Strukturen in der Mentalitt meiner Nachbarin, so dass ich mich in meiner Frustration gezwungen sah, lediglich ein approximatives Kollektivbewusstsein zu initiieren - und der Mechanismus dieser Motivation lste bei ihr die spontane Frage aus: Junge, hast du Lust?“

Mit Bandwurmstzen wie diesem begeistert Gerd Rck in der Rolle des Weltenbummlers“ ber Jahrzehnte in rheinischen Sitzungsslen. (Danke, leeven Gerd, dat ich ding Wt fr e Beispell nemme darf!) Eigentlich ist so eine Rede us dr Btt undenkbar, wird doch allenthalben mangelnde Zuhrbereitschaft beklagt. Und dann eine volle Redeminute lang nur akademisches Kauderwelsch? Wie kann das funktionieren? Nun, das Publikum wei um den Spannungsbogen des Weltenbummlers. Der hhdere Verzll wird enttarnt. Das Hochgestochene lst sich im Banalen auf. D!

Wem die Hochnsigkeit mancher Zeitgenossen zuweilen ein Gefhl vermittelt, Mensch zweiter Wahl zu sein, der hat spitzbbische Freude, wenn das Gestelzte ins Lcherliche abstrzt. Es ist jener Kontrast zwischen oben und unten“, erhaben und alltglich“, der die auch die Dialoge von Tnnes und Schl unsterblich macht. Hier der Buerliche mit Knollnase und erdenschwerer Zunge, mit Blotschen und Kittel. Dort der Stdter, der mit Melone, Cut und Fliege auf Kulturbrger mimt und keine Intrige scheut, um den vermeintlich tumben Toren bers Ohr zu hauen – und letztlich doch dem Mutterwitz des Bodenstndigen unterliegt. 

Von diesem Kontrast lebt auch das Fest der verkehrten Welt“, unser Fastelovend. Er animiert nicht nur zum Maskieren. Er ermuntert auch, jenes zu demaskieren, was uns in der richtigen Welt“ doch oft arg abgehoben vorkommt. Heute verspren wir allerdings weniger den Kontrast Stadt-Land. Eher wird uns Normalos“ vor Augen gefhrt, dass wir in der Glitzerwelt der Promis“ nichts zu suchen haben. Statt dem Champagner in der VIP-Loge weist uns die Eintrittskarte frs Leben eher dem Stehplatz Kurve zu.

Im jecken Spiel des Karnevals knnen wir den Spie umdrehen. Wir laufen selber mit den Stars ber den roten Teppich. Vielmehr, wir holen sie auf rheinischen Mutterboden. Sprachlich geht das. Aus dem James Bond Welt-Thriller Golden Eye“ wird dat goldene Ei“, Jlicher Brde statt Hollywood, Hhner statt Agenten. Obwohl unter den Bond-Girls ja schon manch jeck Hohn jews sin soll.

Soziologen mgen in der Entzauberung des Hybriden einen emanzipatorischen Akt sehen. Jecken gengt die Gewissheit, dass es Orte gibt, wo nicht nur der Kaiser von China, sondern auch Stars von Weltruhm ze Foo hin jon msse. Maht Ihr Stars Actionfilme vun Weltklasse – mer Muttkrate mache ne Zoch.  Mit Wasser kochen mssen beide.

Wenn der Jlicher Ulk mit der Entzauberung des Abgehobenen urkarnevalistische Wesensmerkmale lebt, dann ist er zu beglckwnschen. Oder, um es noch einmal mit einer Anleihe bei Gerd Rck zu sagen: Sie wollen gtigst verzeihen, wenn ich es wage, Sie hflichst zu ersuchen, mir das unschtzbare Glck zu gewhren, Ihnen freundlichst zu sagen, wie ganz auerordentlich es mich freut, dass das Schicksal mir so gtig ist, dass gerade ich die ganz besondere Ehre haben darf, mit den Gefhlen der lebhaftesten Hochachtung Ihnen zu sagen: Ihr hat en doll Motto!

 

Mit einem herzlichem Alaaf vom Rhein an die Rur

Wolfgang Oelsner

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